Leben ist…

November 16, 2009 von turboprinzesschen

…ständig um Unabhängigkeit zu kämpfen.

Bleib!

November 15, 2009 von turboprinzesschen

Unbenannt-1Ich habe Angst zu vergessen. Zu vergessen, wie ihr Haar roch. Zu vergessen, wie ihre Stimme klang. Zu vergessen, was ihr Lieblingsessen war. Zu vergessen, dass sie Pizza nicht mochte, weil es das Gericht war, das sie gegessen hatte, als der Anruf kam und man ihr sagte, dass ihr Sohn tödlich verunglückt sei.

Ich habe Angst nicht mehr zu wissen, wie sie mir die Haare erst zweimal gewaschen und dann stundenlang geflochten hat, weil ich unbedingt Locken haben wollte. Und die Märchen…das Buch vom Wald und dem alten Haus, das sie einfach dem Nachbarskind geschenkt hat, das inzwischen Hip Hop hört, während der Woche Partys auf der Straße schmeißt und MEIN Lieblingsbuch sicher längst bei ebay verkauft hat.

Ich will die Erinnerung behalten. An meine Freundin Sissi, wie sie am Esstisch zu weinen anfing, weil sie sich nicht traute zu zugeben, dass ihr Spinat nicht schmeckte. An Opa und wie ich mit ihm einkaufen ging, heimlich Schokolade oder die Bravo im Einkaufswagen versteckte, die Oma anschließend mit dem Ausruf „Schweinkram“ in die Tonne trat.

Ich möchte die Bilder im Kopf behalten. Die Bilder von meinem Supermarkt in der Ecke neben dem Sofa, wo ich alle Lebensmittel aus Omas Schränken hin trug und ihr für teures Geld zurück verkaufte. Opa hatte mir sogar aus einem Holzbrett eine richtige Kasse gebaut. Und meinem Bruder eine Computertastatur, weil der bei den Großeltern ausnahmsweise mal nicht vor dem Ding sitzen sollte. Und weil unsere Hände noch zu klein waren, um alle zehn Karten beim Romée zu halten, fertigte er in seinem Werkelkeller Karten-Klemm-Bretter an.

Kirchenglocken, Waschküchen-Geruch nach Regen im Hof, lange Sommertage im Garten, schaukeln, die Plastikenten im Teich füttern, Fischfutter in den Ring im Teich werfen, durch die Luft am „Tarzan“-Seil schwingen, Kirchen essen, Erdbeeren essen, Salat essen.

Wasserläufer fangen und in eine Wasserschüssel setzen, Ohrenschleifer aus dem Zelt schmeißen, Opas Geschichten vom „Lampennest“ wieder und wieder hören, Schublade mit Zigarettenhülsen aufziehen. Fotos von Peter sehen, ohne zu begreifen, wie tragisch alles war. Mark Strohecker veräppeln, vor Simon Richter Angst haben. Meinen Bruder an der Schaukel fragen, ob er mich lieb hat und ein barsches „Ja klar“ kassieren.

Auf das Spielhäuschen klettern und bemerken, dass es langsam frisch wird. Zum Esstisch flitzen, wenn Oma ruft. Scooby Doo auf RTL gucken und warten bis Opa von der Nachtschicht kommt, die Heizung anspringt und das Brot aufgetaut ist. Auf Frühstücksbrettern Nutella-Brot mit dick Butter essen. Über Opas „Stinkkäse“ meckern. Opa „Du dumme Nuss!“ beim Tennis gucken fluchen hören. Über Opas Fürze lachen und Omas verärgertes Gesicht abwarten.

Mich so mit Spinat und Fischstäbchen vollstopfen, dass mir schlecht wird und ich mich über das Telefonbuch übergebe. Während „Peter Steiners Theaterstadl“ Opa „verbotzen“ und von Oma gekrault werden. Unter dem Tisch auf dem Boden einschlafen und schlaftrunken von Opa die Treppe hoch getragen werden.

Mit den Sofapolstern und dem Tisch eine Höhle bauen und sich darin verstecken. Modenschau mit Omas Kleidern machen. Theaterstücke einstudieren, Lieder auswendig lernen und eine Premierenfeier veranstalten. Papiersuppe kochen. Papierkuchen backen. Unsichtbare Bowle ausschenken. Unbeschwert sein…

Herzschluckauf

November 15, 2009 von turboprinzesschen

Liebe14040901DWas da ist, trocknet meinen Mund. Was da ist, lässt meinen Atem stocken, mein Herz rasen, meine Wangen glühen, meine Worte verschwinden, mein Leben revue passieren, mich spüren, was ich überhaupt brauche, um morgens aufzustehen. Was mir reicht, um glücklich zu sein. Was du mir gibst…

Heimat…

November 11, 2009 von turboprinzesschen

IMG_4713kleinAlle wollen in die Stadt, ich will genau hier bleiben.

Ida…

Oktober 29, 2009 von turboprinzesschen

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Leben ist…

Oktober 29, 2009 von turboprinzesschen

…zu erkennen, dass es auch anders geht.

Auftragsmord trifft Schuldgefühl

September 1, 2009 von turboprinzesschen

SpinneSie da habe ich töten lassen. Sie da, die handflächengroß an der Kellerwand hockte und erstarrte, als ich mich ihr näherte. In ihrer Nähe saßen zwei andere, deutlich kleinere Artgenossen, die mich lange nicht so bedrohlich schockten. Töten konnte ich sie selbst aber nicht, so viel Angst hatte ich. Also besorgte ich mir einen Auftragskiller, den ich mit Fliegenklatsche ausgerüstet Richtung Monstrum schob. „Eigentlich tut sie doch nichts“, seine Worte, bevor ein lautes*Platsch* dem Ganzen ein Ende bereitete.

Recht hatte er, Spinnen machen nichts. Das hat auch schon meine Oma gesagt. Aber weniger eklig und Angst einflößend sind sie deshalb trotzdem nicht. Wenn nicht im Keller, wo sollen Spinnen dann leben dürfen? frage ich mich kurz nach der Tat. Vielleicht war sie die Ur-Spinnenmutter aller anderen dicken, haarigen, schwarzen Spinnen in unserem Keller. Vielleicht hatte sie heute Geburtstag und all ihre Kinder waren deshalb gekommen. Und dann ließ ich sie vor ihren Augen ermorden! Das können die doch ihr Leben lang nicht mehr verkraften. Und dann noch auf eine solch grausame Art. Zermatschen durch Klatschen…

Mein Auftragsmörder verfrachtete den Leichnam in die Mülltonne vor der Tür. Ein paar Minuten später vergewisserte ich mich durch einen zaghaften Blick hinein, ob die „Mutter“ wirklich tot war. Sie war es. Mausetot und eingeschrumpelt lag sie zwischen zwei Müllsäcken. Das Ende eines Spinnenlebens, das bis  zu sechs Jahren dauern kann, hab ich gelesen.

Etwa fünf Minuten später bin ich drüber weg. Ihre Kinder werden wohl noch länger brauchen. Vielleicht begehen sie ja Selbstmord…hoffentlich.

Zu alt für den Scheiß…

Juli 20, 2009 von turboprinzesschen

Komm, lass uns auf’s Hip Hop Open Minded nach Mannheim fahren. Komm, das wird sicher ganz witzig, vor allem, weil es jetzt so open minded ist und nicht nur Gangster da sind. Komm, wir holen uns auch ein Hotelzimmer, damit wir nicht irgendwo campen müssen (was da auch gar nicht möglich ist).

Angekommen, eingecheckt, Weg gecheckt, anderen Hip-Hop-Kidz (mit „s“ is uncool) nachgelaufen, Schloss Ehrenhof nach Zick-Zack-Kurs gefunden, gefühlte zwei Stunden angestanden, nicht richtig durchsucht worden, gebeten worden weiter zu gehen, erstes Gras gerochen, da.

Schöne Location, so zwischen den hübschen Schlossmauern, genug Essen, gute Sicht auf die Bühne und sogar eine extra Rollstuhl-Fahrer-Tribüne. Erste Grasleichen, Soundprobleme, ein Regenschauer, kuscheln unterm Regenschirm, nette Acts schauen. Xavier Naidoo leise ausbuhen, weil er nicht freestylen kann und seine Mod ständig singt, über eine neue Welt und Hip-Hop-Großväter „philosophiert“, die es hoffentlich nie nie nie geben wird.

Die Hip Hoper fangen irgendwann an den „Open-Minded-Acts“ den Stinkefinger zu zeigen und zu beweisen, wie limited minded sie in Wirklichkeit sind und dass sie sich vorm Kartenkauf den Namen des Festivals nicht richtig durchgelesen haben.

Alles halb so wild, bis das Bier wieder raus will. Es gibt Dixies und „normale“ Klos. Bei den Frauen mal wieder eine dreimal so lange Schlange, wie bei den Kerlen. Und wie immer trau ich mich trotzdem nicht, schnell zum anderen Geschlecht zu wechseln. Find ich ja eigentlich selbst doof, wenn das andere Mädels machen. Überall stinkts nach Chemieklo und Pipi. Ich warte…

Zeit was zu Essen: Pizza Mario, Hot Dogs, Crêpes, Brezeln, Käsestangen, Kebab und der resliche übliche Festival-Fraß. Alles teuer und nur semi-sättigend. Ich denke über Schweinegrippe nach und bin langsam angewidert von all den Leuten. Nicht nur, dass es fast nur HipHoper sind (gut, das war zu erwarten), sondern auch so viele Menschen überhaupt! Hier ein Rempler, da Schweißgeruch, zu enge Tops auf zu speckigen Körpern. Dann verträgt einer sein Gras nicht und liegt halbtot im Weg rum, wir müssen über ihn steigen und aufpassen nicht drauf zu treten. Überall wird rumgelungert und man kann selbst gegen Mittag schon nicht mehr stehen.

Am Nachmittag tut dann schon alles ab dem kleinen Zeh aufwärts weh und die Toleranzgrenze für alles andere sinkt gegen Null. Weil man aber Geld bezahlt hat und eigentlich ja auch die restlichen Auftritte sehen will, hält man eben doch noch durch bis elf.

Vor der Zugabe des Headliners suchen wir schon das Weite, das so weit zum Glück nicht ist. Nebeneinander her-schmerzend schweigen wir uns an. Nicht unzufrieden, aber in friedlicher Besinnung, dass das möglicherweise das letzte Mal war.

Grundschul-Amnesie: Teil 3 – Die Sport-Exhibitionistin

Mai 21, 2009 von turboprinzesschen

Bild_075aa1Ich weiß noch genau, als ich sie das erste Mal im Kindergarten sah und dann wieder in der Grundschule. Sie saß drei Reihen vor mir, war vorlaut, aber irgendwie mochte ich sie. Außer im Sportunterricht, denn da sah ich Dinge, die ich eigentlich überhaupt nicht sehen wollte. Scheinbar war sie ein anatomisches Wunder, denn sie hatte bereits in der zweiten Klasse kleine runde Äpfelchen (wobei man sagen muss, dass es keine von den Specktittchen waren, die kleine dicke rosa farbene Mädchen vor sich her schieben). Nein, es waren irgendwie richtige und auf die war sie scheinbar auch sehr stolz.

Deshalb trug sie zum Sportunttericht immer eine Radlerhose, ein weites T-Shirt und…keinen BH. Wir anderen Mädchen, die wir noch überhaupt keine Brüste hatten, steckten bei Übungen an der Sprossenwand, dennoch unsere T-Shirts in die Hosen. Sie jedoch ließ der Schwerkraft freien Lauf und zog ihr Shirt erst nach gefühlten zehn Minuten wieder hoch, so dass ihre kleinen Tittchen fröhlich hin und her baumelten. An die Reaktion unseres Sportlehrers kann ich mich nicht mehr erinnern, an die großen Augen und offenen Münder meiner Klassenkameraden aber sehr wohl. Es schien, als genoss sie den Moment, den sie seit dem ersten „Vorfall“ immer häufiger extra herbei führte. Auch wenn wir überhaupt nicht an der Sprossenwand turnen mussten, hing sie sich hin und wieder einfach so dran.

Was sie letztendlich, außer vielleicht Hängebrüsten, davon hatte, weiß ich bis heute nicht. Vor allem weil die Jungs Mädchen damals noch doof fanden und wir Mädchen Brüste und so nen Zeug irgendwie noch gar nicht wirklich haben wollten. Hätte sie ihre Nummer bei den Viertklässlern abgezogen, hätte ich die frühpubertäre Effekthascherei noch verstanden, aber so!

Heute sehe ich sie noch manchmal. Ihre Brüste sind seit der zweiten Klasse nicht mehr gewachsen…höchsten nach unten.

Leben ist…

Mai 18, 2009 von turboprinzesschen

…Ideale überdenken.