Grundschul-Amnesie: Teil 4 – Sadistische Glücksspiele

Januar 25, 2011

Es war in der dritten Klasse im Zusatzunterricht Französisch, um schon den Kleinsten das “Savoir-Vivre” näher zu bringen. Er, ein Bär von Mann, wir, Würmer von Kindern, die brav dem Unterricht folgten. Manchmal zog er “Corax”, den Raben, unter dem Lehrerpult vor, eine Handpuppe mit Barett und Schal, die aber nicht darüber hinweg half, was dann geschah.  Völlig unvermittelt von jetzt auf gleich wechselte Er zwischen “Je m’ appelle M. Corax!” und “Ça va?” seine Gesichtsfarbe, legte “Corax” weg und schritt durch die Bankreihen. “Wen es jetzt trifft, der darf das nicht persönlich nehmen, aber meine Hand juckt”, raunte er und drohte mit seinen Pranken. Uns blieb nur Augen zu kneifen, Rücken stabilisieren und falls möglich, die Bank dämmen.

Einen traf es tatsächlich immer, einmal auch mich. Ich weiß es noch wie gestern, als meine Rückseite heiß wurde, mein Brustbein vom Aufschlag schmerzte und die Klasse die Luft anhielt. Und obwohl ich es noch so genau weiß, wusste ich es Jahre nicht mehr. Einfach verwischt und nicht mehr da. Dann gab es eine Zeit, da kam es mir wieder in den Sinn und ich war mir nicht sicher, ob es nicht doch eine übertriebene kindliche Phantasie war.

Erst neulich, als ich mit einer alten Schulfreundin zuällig am  Schulhof unserer Grundschule vorbei spazierte, fiel der Groschen. Es war wirklich alles genau so passiert, denn sie erinnerte sich noch lebhafter an die sadistischen Glücksspiele im Französischunterricht. Keines, aber wirklich überhaupt keines der Kinder hatte zu Hause davon je ein Wort erzählt.

Als dann eine Mutter-Initiative vor ein paar Jahren gegen ihn vorgehen wollte, war er sowieso im Rentenalter und wurde lediglich ein paar Monate früher pensioniert.

Kein Wunder, dass ich seitdem eine Abneigung gegen Französisch hatte und immer nur noch Vieren mit einem Minus bis Paris schrieb. :-)

Wahl-Wahrheit

Oktober 17, 2010

„Was ist deine Wahrheit?“ – Du schaust an mir vorbei Richtung Apfelbaum. Er kann sich nicht beschweren, seine Äste biegen sich nach unten. In vielen seiner Früchte wohnen Würmer. Ich stelle sie mir vor wie die Raupe Nimmersatt, obwohl das ja eine Raupe ist. Den Unterschied kenn’ ich gar nicht. Wieder täuschst du an und hältst dann doch die Klappe. Kann es vielleicht sein, dass du gar keine Wahrheit hast?, geistert es in meinem Kopf herum, doch es auszusprechen, wage ich mich nicht, denn es ist noch nicht so spät und du könntest eventuell noch antworten.

Seit ich über meine Wahrheit nachgedacht habe, gehe ich viel sanfter mit mir um. Ich wähle meine Worte mit Bedacht und höre erst mal zu, bevor ich dazwischen plappere. Aber was ist denn jetzt deine Wahrheit?

Fragend sehe ich dich von der Seite an und weiß genau, dass du es merkst. Du drehst deinen Kopf nur ganz sachte und schielst seitlich zu mir. „Ich habe keine Wahrheit“, murmelst du und ich frage mich, ob das sein kann, sage aber erstmal nichts. Es riecht nach modrigem Laub und feuchter Erde. Jetzt, da die Sonne hinter dem Bretterschuppen verschwunden ist, kühlt es spürbar ab. Ich reibe meine Arme, aber die Gänsehaut kommt doch. Meine Härchen stellen sich gleich meinen Ohren, als du weiter sprichst: „Also weißt du, irgendwie gibt es für mich keine wirkliche Wahrheit. Es ist immer das wahr, was gerade passt“. Ist das so? Ist wahr das, was sich einfach von ganz tief drinnen gut anfühlt? Das reicht mir. Ich streiche ihm sanft eine Wimper von der Wange, puste sie von meinem Finger und wünsche mir nichts.

Glück…

Oktober 17, 2010

Mohn-Tag

Juni 28, 2010

Leben ist…

November 16, 2009

…ständig um Unabhängigkeit zu kämpfen.

Bleib!

November 15, 2009

Unbenannt-1Ich habe Angst zu vergessen. Zu vergessen, wie ihr Haar roch. Zu vergessen, wie ihre Stimme klang. Zu vergessen, was ihr Lieblingsessen war. Zu vergessen, dass sie Pizza nicht mochte, weil es das Gericht war, das sie gegessen hatte, als der Anruf kam und man ihr sagte, dass ihr Sohn tödlich verunglückt sei.

Ich habe Angst nicht mehr zu wissen, wie sie mir die Haare erst zweimal gewaschen und dann stundenlang geflochten hat, weil ich unbedingt Locken haben wollte. Und die Märchen…das Buch vom Wald und dem alten Haus, das sie einfach dem Nachbarskind geschenkt hat, das inzwischen Hip Hop hört, während der Woche Partys auf der Straße schmeißt und MEIN Lieblingsbuch sicher längst bei ebay verkauft hat.

Ich will die Erinnerung behalten. An meine Freundin Sissi, wie sie am Esstisch zu weinen anfing, weil sie sich nicht traute zu zugeben, dass ihr Spinat nicht schmeckte. An Opa und wie ich mit ihm einkaufen ging, heimlich Schokolade oder die Bravo im Einkaufswagen versteckte, die Oma anschließend mit dem Ausruf „Schweinkram“ in die Tonne trat.

Ich möchte die Bilder im Kopf behalten. Die Bilder von meinem Supermarkt in der Ecke neben dem Sofa, wo ich alle Lebensmittel aus Omas Schränken hin trug und ihr für teures Geld zurück verkaufte. Opa hatte mir sogar aus einem Holzbrett eine richtige Kasse gebaut. Und meinem Bruder eine Computertastatur, weil der bei den Großeltern ausnahmsweise mal nicht vor dem Ding sitzen sollte. Und weil unsere Hände noch zu klein waren, um alle zehn Karten beim Romée zu halten, fertigte er in seinem Werkelkeller Karten-Klemm-Bretter an.

Kirchenglocken, Waschküchen-Geruch nach Regen im Hof, lange Sommertage im Garten, schaukeln, die Plastikenten im Teich füttern, Fischfutter in den Ring im Teich werfen, durch die Luft am „Tarzan“-Seil schwingen, Kirschen essen, Erdbeeren essen, Salat essen.

Wasserläufer fangen und in eine Wasserschüssel setzen, Ohrenschleifer aus dem Zelt schmeißen, Opas Geschichten vom „Lampennest“ wieder und wieder hören, Schublade mit Zigarettenhülsen aufziehen. Fotos von Peter sehen, ohne zu begreifen, wie tragisch alles war. Mark Strohecker veräppeln, vor Simon Richter Angst haben. Meinen Bruder an der Schaukel fragen, ob er mich lieb hat und ein barsches „Ja klar“ kassieren.

Auf das Spielhäuschen klettern und bemerken, dass es langsam frisch wird. Zum Esstisch flitzen, wenn Oma ruft. Scooby Doo auf RTL gucken und warten bis Opa von der Nachtschicht kommt, die Heizung anspringt und das Brot aufgetaut ist. Auf Frühstücksbrettern Nutella-Brot mit dick Butter essen. Über Opas „Stinkkäse“ meckern. Opa „Du dumme Nuss!“ beim Tennis gucken fluchen hören. Über Opas Fürze lachen und Omas verärgertes Gesicht abwarten.

Mich so mit Spinat und Fischstäbchen vollstopfen, dass mir schlecht wird und ich mich über das Telefonbuch übergebe. Während „Peter Steiners Theaterstadl“ Opa „verbotzen“ und von Oma gekrault werden. Unter dem Tisch auf dem Boden einschlafen und schlaftrunken von Opa die Treppe hoch getragen werden.

Mit den Sofapolstern und dem Tisch eine Höhle bauen und sich darin verstecken. Modenschau mit Omas Kleidern machen. Theaterstücke einstudieren, Lieder auswendig lernen und eine Premierenfeier veranstalten. Papiersuppe kochen. Papierkuchen backen. Unsichtbare Bowle ausschenken. Unbeschwert sein…

Herzschluckauf

November 15, 2009

Liebe14040901DWas da ist, trocknet meinen Mund. Was da ist, lässt meinen Atem stocken, mein Herz rasen, meine Wangen glühen, meine Worte verschwinden, mein Leben revue passieren, mich spüren, was ich überhaupt brauche, um morgens aufzustehen. Was mir reicht, um glücklich zu sein. Was du mir gibst…

Heimat…

November 11, 2009

IMG_4713kleinAlle wollen in die Stadt, ich will genau hier bleiben.

Ida…

Oktober 29, 2009

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Leben ist…

Oktober 29, 2009

…zu erkennen, dass es auch anders geht.


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